Der Eigensinnige: Hermann Adolph Klinger

Nachdem Hermann Adolph Klinger (1806 – 1874) das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig abgeschlossen hatte, war er in seiner Heimat als Rechtsanwalt tätig. Mit 40 Jahren wurde er Stadtrat in Leipzig. Sein bedeutendstes Amt hatte Klinger während der Revolution von 1848/49 inne: Am 5. April 1848 wurde er gegen den Willen des Stadtrates zum Bürgermeister der Stadt Leipzig gewählt und führte dieses Amt bis zum 7. Mai 1849 aus. Seine Amtszeit war stark radikaldemokratisch geprägt, so setzte er sich für die Pressefreiheit und den Zugang von Frauen als Zuschauerinnen zu den Debatten des sächsischen Landtags ein. Auch sprach er sich angesichts des Dresdner Maiaufstands 1849 für Waffenlieferungen zur Unterstützungen der Aufständischen aus. Da Klinger mit dieser Position jedoch allein war, kostete ihn dies sein Amt als Bürgermeister.

Klinger und die städtische Führung waren in den Tagen der Revolution einem komplexen Spannungsverhältnis ausgesetzt: Viele Problemfelder mussten von der Stadtführung zur gleichen Zeit gelöst werden, so zum einen die Verhandlungen mit dem sächsischen König, zum anderen die Bestrebungen zur Annahme der Reichsverfassung. Ebenso musste Stellung gegenüber der Kämpfe in Dresden gezogen werden. Verstärkt wurden diese Problemfelder dadurch, dass die verschiedenen politischen Lager nur recht lose verbunden waren und dass man noch immer keinen Konsens über eine mögliche Verfassung gefunden hatte. Den Ausweg aus diesem Dilemma fand man – unter Klingers Protest – in einem Neutralitätsbeschluss bezüglich der Kämpfe in Dresden mit Berufung auf die Reichsunmittelbarkeit und unterstellte sich so der Zentralgewalt in Frankfurt.